Die Framingham-Heart-Study liefert neue Evidenz dafür, dass körperliche Aktivität in der Lebensmitte und im höheren Alter mit einem deutlich reduzierten Demenzrisiko einhergeht. Während frühere Studien teilweise widersprüchliche Ergebnisse zur Wirkung von körperlicher Aktivität auf das Demenzrisiko geliefert hatten, legt diese Untersuchung nahe, dass insbesondere ab dem mittleren Lebensalter Sport und Bewegung eine präventive Wirkung haben – auch für Personen mit erhöhtem genetischem Risiko.
Die Studie analysierte Daten von mehr als 4300 Personen, deren körperliche Aktivität in drei Altersphasen (frühes Erwachsenenalter, mittleres Lebensalter, spätes Erwachsenenalter) erhoben und mit dem Auftreten von Demenz über eine Nachbeobachtungszeit von bis zu 37 Jahren in Verbindung gesetzt wurde.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Lebensmitte (45–64 Jahre) ein entscheidendes Zeitfenster für die Weichenstellung ist. Höhere körperliche Aktivität in diesem Alter war in der Studie mit einem um bis zu 45 % niedrigeren Risiko für spätere Demenz verbunden (sowohl für Demenz insgesamt als auch für Alzheimer-Demenz). Eine Reduktion des Risikos um fast die Hälfte (45 %) ist ein Wert, den derzeit kein Medikament auch nur annähernd erreicht!
Besonders deutlich war der präventive Effekt bei Personen ohne APOE-ε4-Risikogen. Dieses ist der wichtigste genetische Risikofaktor für die Alzheimer-Demenz. In dieser Untergruppe war die körperliche Aktivität in der Lebensmitte mit einer bis zu 59 % niedrigeren Demenzinzidenz assoziiert. Bei Trägern des Risikogens war ein Schutzeffekt erst im höheren Alter erkennbar.
Auch die Intensität der Aktivität spielt eine Rolle: In der Lebensmitte waren moderate bis intensive Aktivitäten besonders wirksam. Für leichte Aktivität zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang – unabhängig von der Dauer. Also lautet die Empfehlung: Nicht nur langsam spazieren, sondern lieber mal bewusst schneller gehen, joggen und intensives Krafttraining machen.
Die Studie diskutiert mehrere biologische Mechanismen, durch die körperliche Aktivität das Demenzrisiko senken könnte: antientzündliche Effekte, eine verbesserte Gefäßfunktion und Insulinsensitivität, neuroprotektive Prozesse wie eine gesteigerte Neurogenese und Synaptogenese im Hippocampus. Diese Effekte könnten insbesondere in der Lebensmitte wirksam sein, wenn sich erste pathophysiologische Veränderungen im Gehirn entwickeln.
Siehe auch Physical Activity Over the Adult Life Course and Risk of Dementia in the Framingham Heart Study
